Private Krankenversicherung


Chancen und Risken von Zweittarifwerken in der PKV

Unter Zweittarifwerken versteht man zu älteren Tarifen hinzutretende parallele Tarifwerke mit ähnlichen Leistungen für die gleiche Kundengruppe. Oft sind diese Zweittarife sogar bei nur wenig geringeren Leistungen deutlich preiswerter als die Alttarife. Folge ist, dass die Alttarife kaum noch verkauft werden; die gesunden Neukunden gehen in die Zweittarife, die kranken Altkunden verbleiben in den Alttarifen. Dadurch wird die Beitragsschere zwischen beiden Tarifwerken noch größer, denn jeder Tarif wird aufgrund seiner eigenen Schadenerfahrung kalkuliert. Im Extremfall führt dies zu so hohen Beitragsanpassungen in den Alttarifen, dass man von der sogenannten „Vergreisung“ spricht.

Dazu kommt, dass Versicherer u. U. die Neutarife tendenziell knapper kalkulieren als die Alttarife, insbesondere die Schäden der Älteren, was auch zu entsprechend geringeren Alterungsrückstellungen führt. Dies kostet sie ja zunächst wenig, solange die Zahl der Versicherten noch gering ist und kaum Ältere versichert sind. An den Unternehmenskennzahlen kann man dies letztlich nicht erkennen, da die Alttarife mit ihren hohen Beständen durchaus mehr als ausreichend kalkuliert sein können.

Doch kann das Beitragsniveau der Neutarife letztlich nicht auf Dauer niedrig gehalten werden. Irgendwann werden die Bestände auch in den Neutarifen älter und vor allem kränker – die Schäden steigen und die Kalkulation muss nachgeführt werden. Dazu kommt, dass auch noch die Kranken aus den Alttarifen in die Neutarife wechseln können, was den schadensteigernden Effekt noch beschleunigt. Soweit auch noch geringere Alterungsrückstellungen gebildet wurden, führt dies zu zusätzlichem Anpassungsbedarf. Manchmal werden die ursprünglichen Neutarife dann selbst zu „Alttarifen“, wenn weitere Tarifwerke eingeführt werden.

Ergebnis:

Zweittarife beinhalten ein höheres Risiko künftig stärker steigender Beiträge.

Datum: 2006-10-05

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